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Die geheime Hütte von Märchenkönig Ludwig II auf dem Altlacher Hochkopf.

  • Autorenbild: Herbert Russer
    Herbert Russer
  • 28. Juli 2017
  • 3 Min. Lesezeit

Selbst Apinisten der heutigen Zeit, geschweige denn Fürsten oder Politiker, haben eine so tiefe innere Beziehung zu den Bergen entwickelt wie König Ludwig II von Bayern (1845-1886).

Er schreibt, dass ihm seine Berghütten weit lieber sind als seine Schlösser und weiter „auf den Bergen ist Freiheit“. Laut eigenen Angaben besaß er mindestens 12 Berghütten. Ein der geheimsten und vergessensten liegt ganz in der Nähe von Wallgau... Lesen Sie mehr:

„Diese einfache Hütte ist mir werther als alle Schlösse mit ihrem Glanz und hohlen Prunk“

Wenige finden den Weg zum Hochkopf, der vorgibt ein langweiliger waldiger Voralpengipfel am Nordufer des Walchensees zu sein. Doch Ludwig liebte diesen Berg und seine Hütte dort, die noch immer erhalten ist. Er feierte zweimal seinen Geburtstag dort. Der Weg zur Hütte ist 518 Höhenmeter lang und dauert etwar 1,5h bis 2 Stunden im Aufstieg und 1 ¼ Stunden im Abstieg.

Kein Wegweiser verrät, dass es von Altlach am Walchensee auf eine der schönsten Hütten von König Ludwig geht, so schön, dass der König den wählerischen Richard Wagner hierher einlud. Der sollte es nicht bereuen. Schon bei seiner Anreise, wo er im heute noch existierenden Gastbauernhof in Altlach weilte, hörte Wagner ein altes Spinnerliedchen aus der Stube, das er dann für den „Fliegenden Holländer“ verwendete. So die Legende.

Wegbeschreibung

Die Mountainbiker wählen den Reitweg des Königs, Wanderer steigen auf einem schmalen Pfad entlang des kleinen Gebirgsbachs. Dieser hat goldschimmernde Bassins in den Fels gewaschen in denen sich herrlich baden lässt und kleine Fischlein stehen.

Munter windet sich der Steig Richtung Gipfel: man stelle sich die armen Lakaien vor, die hier die feinen Speisen, welche der König auch auf den Hütten wünscht, hinauf schleppten. Nach der Suppe gab es eine Vorspeise, wie gratinierte Muscheln, dann gekochtes Ochsenfleisch mit frischem Gemüse, als Zwischengang Lammkoteletts mit Kastanienpüree, Hühnerfrikassee, Braten vom Wild, eine warme Süßspeise, Eis, Obst und da Mokka.

Nach weniger als zwei Stunden Aufstieg öffnet sich der Waldvorhang und die Hochkopfhütte erhebt sich keck aus den Wipfeln. Die eingeschossige Hütte hat nach allen Richtungen größere Fenster als gewöhnlich und wirkt trotz der einfachen Holzbauweise stolz und stattlich. Der Ausblick von der Terrasse jedoch ist berauschend. Sinnlich wie die Ouvertüre des Schwanenritters Lohngrins und ergreifend wie „Der Tod in Venedig“ von Visconti.

Heinrich Noe schreibt 1865 über den Ort: „Wie ein langer, blinkender Goldreif, ein Diadem mit gleißenden Diamanten spannt sich der Karwendel jenseits der Wasser über die grünen Berge. Eine unendliche Fülle von Duft liegt dann über der grünen Fluth. Der Wetterstein im Süden dämmert im sanften Blau. (...).

Richard Wagner soll hier an seinem Parzival gearbeitet haben. Überschwänglich schrieb er an Ludwig „Wie unbeschreiblich schön ist es hier! – Das war einmal getroffen: nichts konnte mir so heilsam werden! – Wirklich bin ich gestern Abend – spät – oben eingetroffen: Jupiter leuchtet der ersten nächtlichen Wanderung auf wundervollen Höhen. Wie schön, wie schön ist Alles.“

Da der Weg auf die Hütte nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, sei folgendes Programm empfohlen: Von der Hütte weg windet sich ein kaum sichtbarer entzückender kleiner Pfad rund um den Gipfel. Es handelt sich um den Paraplü- Weg des Königs, der hier unter Schirmen weilte, las, genoss. Heue ist der Weg fast verschwunden und unbekannt.

Dabei biete er bezaubernde Ausblickpunkte auf den türkis schimmernden Walchensee, das silberne Band der Isar in der Jachenau und schließlich auf das im blauen Dunst liegende Karwendel. Nehmen Sie sich Zeit den Blick auszukosten. Dann richten Sie eine Brotzeit auf der Terrasse der königlichen Hütte her und später, zurück im Tal, baden Sie im Walchensee.

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